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Kaum bekannte Sagen und Legenden rund um Kirchberg

 

Da Kirberga Kiachabau

En Kirber draußt, do is a Kiacha baut woarn. Und wenn s‘ herunt aaf da Straß d‘ Stoi higfahrn hamand, in andan Tog hand dö Stoi wiedar am Berg obn gwen. Sö hamand abermals dö Stoi higfahrn, dö Stoi hand wiedar am Berg obn!


Ejtz hamand a sö denkt und entschlossen, sö meaßnd dö Stoi am Berg afföbringa und meaßnd dö Kiachar am Berg afföbau. Und dös hamand s‘ ta. Und hod nix mehr gfeiht, danoo!

 


Der lieben Frauen Holz

Von Hintberg nach Bruck führt ein Gangsteig durch den Wald. Darauf soll unser Herrgott mit seiner Mutter Maria herübergegangen sein. An einem schönen Platzl haben sie gerastet und gebetet. Dort haben dann ein paar Bauernleut ein hölzernes Bildstöckl aufgestellt mit einem geschnitzten Herrgott darin, wie er seinen zerschundenen Kopf auf den Arm stützt. Es ist „Unser Herrgott auf der Rast.“ Der Wald ringsherum aber ist nach der Muttergottes benannt. Er heißt bis auf den Tag „Der Lieben Frauen Holz.“

 


Die Josefitafel im Königswald

Im Königswald, am Padlinger Rachel, wo der Weg fast eben dahingeht, hatte mein Oheim, Adalbert von Kirchberg, ein Marterl errichtet, auf dem die Flucht nach Ägypten dargestellt war. Als „Josefitafel“ war das Bildnis weit und breit bekannt.


Sein Beruf als Maler führte ihn oft in die Vorwald- und Donaugegend. Sein Sohn gleichen Namens begleitete ihn auf den weiten Wanderungen. So blieben sie oft wochenlang ihrem Heimatort Kirchberg ferne. Seine Frau besorgte zuhause das kleine Kolonialwarengeschäft. Als Vater und Sohn einst von einer längeren Tour zurückkehrten und eben den Padlinger Rachel überwunden hatten, hörten sie an der Stelle, wo jetzt das Marterl steht, die Glocken von Kirchberg mit ihrem tiefen, weittragenden Geläute. Die Männer lauschten und sagten: „Was bedeutet das Läuten heute am Samstagvormittag? Brennt es vielleicht, oder wird jemand zu Grabe getragen?“ Mit Unruhe im Herzen schritten sie weiter. Aber die Glocken verstummten wieder und nichts störte weiter den Frieden des sonnigen Herbsttages. Wo der Königswald zu Ende ist, steht die kleine Kapelle „Maria Taferl“. Sie gingen hinein und verrichteten ein kurzes Gebet, wie das ein jeder Wanderer seit jeher zu tun pflegt. Dann begegnete ihnen der erste Bekannte. Sie begrüßten ihn mit freundlichem Zuruf.

 

Der aber starrte sie einen Augenblick an, um dann hastig seitwärts im Walde unterzutauchen.


„Was hat denn der Kajetan?“ fragen sie sich. In der Ortschaft Hangenleithen, die sie durchschritten, stand der Christl Sepp vor der Haustür. Auch er flüchtete ganz auffällig. Da stiegen schlimme Ahnungen in ihren Herzen auf. Sie beschleunigten ihre Schritte. Ihr Heimatort Kirchberg schien ausgestorben. Kein Mensch war auf der Straße. Endlich trafen sie einen Halbwüchsigen, den sie fragten, warum es geläutet habe. Der antwortete: „Die Adalbertin wird eingegraben.“


Der Schlag hatte die Mutter getroffen in dem Augenblick, als sie im Laden ein Kunde fragte, wieviel das Pfund Reis koste. Zur Erinnerung an die Tote stellte er die „Josefitafel“ an der Stelle auf, wo er das Sterbegeläute für seine tote Frau gehört hatte.

 

 


Einer sieht ein Kreuz dahergehen
Abtschlag


In Abtschlag ist in der Christnacht ein Bauernsohn allein zu Hause geblieben und er hatte
es übernommen, für die Mettenleute das Essen herzurichten. Da ging er denn zum
Dorfbrunnen, um Knödelwasser zu holen. Und siehe da! Durch das Dorf zog langsam
und laut betend ein Kreuz- oder Bittgang. Einer ist vorausgegangen; der hat die Fahne
getragen. Dann kamen der Geistliche und die Ministrierbuben, hierauf die Männer und
auf die Letzt die Weiber und alle hatten unheimliche und fremde Gesichter. Da packte
den Burschen ein jäher Schrecken. Er wurde krank und schon nach drei Tagen drückten
ihm seine Leut die Augen zu. Eine gute Bekannte ists, die mir diese Geschichte erzählt
hat und der, tröst ihn unser lieber Gott, in der Mettennacht seinen Tod vorausgesehen
hat, ist ihr Vetter gewesen.

 


Das Dösingerried
Dösingerried


Vom Dösingerried bei Kirchberg i. W., auf dem es nur so von Geistern wimmeln soll, wird
erzählt:
Hier hat eine große Schlacht stattgefunden, der Boden war ganz mit Blut getränkt. Der
liebe Gott aber hat sich über das viele ungerecht vergossene Blut erzürnt und lässt die
Urheber jenes Kampfes hier umgehen. Der Boden, der noch heutigen Tages wie vom
Blute gerötet erscheint, ist nur von niedrigem Nadelholze bewachsen. Slbald ein
Stämmchen Mannshöhe erreicht, wird es dürr und stirbt ab.

 


Die Totenau
Dösingerried


Bei Dösingerried, in der sogenannten „Totenau“ stand früher eine Stadt. Man hat lange
noch ihren Kirchturm gesehen, als sie längst untergegangen gewesen ist. Das geschah
vor fünfhundert Jahren. Hin und wieder hat man in dieser Totenau Musik gehört und
Tänzer gesehen. Wer die Stelle betritt, geht unter wie die Stadt: Do draußt bo
Dösingariad, do is doch dö Toutnau. Do is amoi a Stodt untaganga. Hod no lang da
Kiachaturm aussagschaut. Und der Woid, der is scha fünfhunat Johr oit. Und dö Baam
hand seit dö funfhunat Johr nimma gwochsn. Hand ganz kloa bliebn. Und wennst do
eigehst, gehst unta wia dö Stodt! Und do hand aa eu aaf da Musi gwen und hand do
einagangar und kemmand do aaf dö Toutnau hi. Ejtz geht s hoit do so zua. Tanzt hamand
s drin und gspejt hamand s. Ejtz hamand dö zwoa gsogt: „Do gehn mar ejtz ei!“
Und
hamand s gsehng, wia s do zuageht. Ejtz hand s owa aaf Zej und hamand s do vozeijht,
wia s eah do ganga hot.
Und waa dö andan hikemma hand, is neamad mehr do gwen!

 


Der Teufel an der Kreuzstraße
Kirchberg


Eine andere Brotträgerin kam einmal mittags zwischen 11 und 12 Uhr an die
Kreuzstraße, wo sich die Wege nach Kirchberg und Dösingerried treffen
beziehungsweise scheiden. Da stand plötzlich ein kleines, eisgraues Männlein vor ihr
und wollte ihr an den Leib. Schnell riss sie ihre Schürze herunter, stellte sich darauf und
sagte: Dös is mei Guat!“ Da hüpfte das Männlein mit Geheul um sie herum, bis man von
Kirchdorf die Mittagsglocke läuten hörte. Mit dem ersten Schlag der Glocke war das
Männlein verschwunden. Es fuhr durch den Wald, dass man meinte, die Äste und
Stämme brächen alle mitten ab. Die Brotträgerin war von der Zeit an nimmer recht
beieinander.

 


Die Pest
Kirchberg


Als das große Sterben war, fuhr ein Weiblein die Toten auf den Friedhof nach Kirchberg
und begrub sie dort. Fiel ihr einer vom Wagen, so sagte sie: „Bleib liegen, morgen komm
ich wieder“. Auf dem Wege saß auf einem Baume einmal ein Vogel, der rief ihr zu: „Esst
Enzian und Pimpinell, dann bleibt ihr gesund und sterbt nicht schnell“. Die Leute
befolgten den Rat, kochten die Wurzeln vom Enzian und von der Pimpinelle in Alkohol
und der grimme Tod war gebannt.

 


Die Totenkopferscheinung
Kleinloitzenried


Ein Mann und eine Frau fuhren einmal von Loitzenried herein. Plötzlich blieb das Pferd
sehen. Da half kein Hü mehr. Der Mann stieg ab und mit aufgelockertem Messer wollte
er sehen, wer ihnen da in der stockfinsteren Nacht den Weg versperrt. Es war aber
nichts zu sehen. Da sprach seine Frau: „Wir haben eine Arme Seele vor uns, die müssen
wir erlösen!“
Nachdem sie ein Gelübde getan hatten, ging das Pferd von selbst wieder weiter und ein
Totenkopf tauchte auf. Bald verschwand der Totenkopf wieder. Der Mann und die Frau
aber konnten ungestört die Heimreise fortsetzen.

 


Die schwarzen Vögel bei der Fürberg-Kapelle
Raindorf


Dös  hod ooft amoi d’ Beppi voozeihjd, dö hod dö ganz oiddn Laid na kennd, dö woos dö
Gschicht voozeihjd hamand!
Do hand dö Kinda voo da Schui hoamganga. Und wia s‘ voo da Firberga-Kabeijn
vobai‘gengand, hod dö Glooggn glaidd. Dös is um Zweijfö gwen ön Middog. Iatz hod a
Deandl gsogt: „Wia hoißt an dös Glöögal aigentlö?“
Iatz hamand s‘ draaf gsogt: „Maria!“
„O, hod’s gsogt, dö Daifösglooggn hod an scheenan Nam wiar i!“ Iatz wias s‘ dös gsogt
hod ghod, iatz hand sooveij Vögl kema, schwoaze, Krahhansl und oiss mögliche und soo
dick, dass dö Kinda goa nimmar aus’gsehng hamand.
Und hand ö d‘ Kabeijn einö und dö
Vögl hand oowai um d‘ Kabaijn uma. Do kimmd a Ma daher und loosst eahm’s voozeihjn
und sogt: „Jess, Maria und Josef, wia kann mar an ebbs söchas song zoon ana
gwaichddn Glooggn“ Und boo dem Woad hand d‘ Vögel wieda voorschwundn.

 


Der See unter dem Fürberg
Untermitterdorf


Nahe bei Untermitterdorf hebt sich der Fürberg auf. Die Alten wissen, dass er auf einem
See steht. Der Fürberg sinkt mit den Jahren unter. Einmal wird er das Seewasser
heraustreiben und es wird das Bauernländel ringsherum überfluten. Mensch und Vieh
werden ertrinken. Dann ist auch das Weltende nicht mehr weit.
In Raindorf kannst du hin und wieder diese Sage erzählen hören: Ein Hüterbub hütete im
Fürberg ein Dutzend Rindl. Weil er Durst spürte, suchte er das nahe Brünnlein auf. Wie
aber erschrak er, als er darin einen riesigen Fisch um sich schlagen sah. Schnell rannte
er hinab nach Raindorf und schrie es in die Stuben. Und die Raindorfer Leut kamen und
staunten. Sie rätselten, woher der Fisch denn gekommen sei. Da trat der alte Dorfhirte
vor und sprach: „Der Fisch ist gewiss mit dem Brunnenwasser aus dem unterirdischen
See gespült worden!“ Bei diesen Worten gurgelte das Brunnenwasser auf und der riesige
Fisch war wieder verschwunden, zurück unter den Fürberg.

 


Der Teufelstisch
Bischofsmais


In altersgrauer Vorzeit, als noch Urwald alles ringsum bedeckte, hatte der Teufel hier
seinen Sitz aufgeschlagen, wobei ihm der Felsen als Tisch diente. Als nun der selige
Günther auf der in der Nähe gelegenen Zellwiese bei Oberbreitenau eine Kapelle
erbaute und zum ersten Male das Aveglöcklein ertönte, war Satanas eben mit der
Einnahme des Abendbrotes beschäftigt. Anfänglich verwundert aufhorchend, stieß er
dann einen greulichen Fluch aus und ohne seine Mahlzeit zu beenden, verließ er mit
einem Satze, wobei er im Abspringen noch versuchte, den Tisch umzustoßen (daher die
schiefe Stellung) den Bergrücken, um im Dunkel des Urwaldes für immer zu
verschwinden.
Die Brote aber haben sich in Stein verwandelt und liegen heute noch obenauf.

 


Der Habergoaßstein

Fahrnbach


Am Gangsteig von Fahrnbach nach Augrub ist früher einmal ein Stein gelegen, den
haben die Bauern ausgeputzt, damit sie mit ihren Fuhrwerken besser vorbeifahren haben
können. In diesen Stein ist eine Spur eingedrückt gewesen von einem Geißhaxen und
von einem Ochsenhuf, wie wenn diese Viecher auf dem Stein ausgerutscht wären und
sich gespreitzt hätten. Die alten Leute haben immer gesagt, dass die Spuren daher
kommen, weil der Ganz Ander und die Habergoaß da gerauft haben. Weil jeder in der
Rauhnacht droben in Fahrnbach hätte regieren wollen. Erst das Taganläuten hat sie
auseinandergetrieben.


Quellenangabe:
Reinhard Haller „Legenden aus dem Bayerischen Wald“ 1982 Verlag Morsak Grafenau

Reinhard Haller „Natur und Landschaft SAGEN aus dem Bayerischen Wald“ 1983 Verlag Morsak Grafenau